17.-19.06.2026 | Bundesweite Streetworktagung 2026

Kontrollierte Räume, begrenzte Freiheiten
Öffentlicher Raum und Soziale Arbeit unter neoliberalen und rechtspopulistischen Rahmenbedingungen
Mittwoch, 17.06.26 | Donnerstag, 18.06.26 | Freitag, 19.06.2026 | Workshops | Organisatorisches
Kosten | Anmeldeschluss & Stornierung | Anmeldung
Datum: 17.-19.06.2026
Ort: Nachbarschaftshaus Gostenhof, Adam-Klein-Straße 6, 90429 Nürnberg
Zielgruppe: Fachkräfte in den Arbeitsfeldern Streetwork und Mobile Jugendarbeit
Die Tagung rückt die aktuellen Auseinandersetzungen um öffentlichen Raum in den Mittelpunkt: Zwischen Sicherheitspolitik, Verdrängung und Kontrolle geraten Zugänge, Teilhabe und Freiheiten von Menschen mit dem Lebensmittelpunkt Straße zunehmend unter Druck. In Vorträgen, Workshops und einem Open Space werden die Auswirkungen neoliberaler und rechtspopulistischer Rahmenbedingungen auf Streetwork und Mobile Jugendarbeit beleuchtet und gemeinsam fachliche Strategien, Positionierungen und Handlungsspielräume ausgelotet.
Die bundesweite Streetworktagung der BAG Streetwork / Mobile Jugendarbeit e.V. ist das zentrale bundesweite Vernetzungs- und Fortbildungsformat für Fachkräfte der Streetwork und Mobilen Jugendarbeit. 2026 findet sie erstmals im Nachbarschaftshaus Gostenhof in Nürnberg statt – mitten im lebendigen Stadtteil Gostenhof. Wir versuchen, mit dieser Tagung die Vielfalt von Streetwork und Mobiler Jugendarbeit zu berücksichtigen und sichtbar zu machen.
Streetworker*innen und Mobile Jugendarbeiter*innen arbeiten mit jungen Menschen genauso wie mit erwachsenen Menschen, in ländlichen und (groß)städtischen Räumen. Diese Praxis ist vielfältig und kann sich auch stark voneinander unterscheiden. Verbindend ist jedoch unser fachliches Konzept, zusammengefasst in den bundesweiten Fachstandards. Das gegenseitige Kennenlernen, der fachliche Austausch und die Vernetzung sind daher zentrale Bestandtteile der bundesweiten Streetworktagung.
Wir legen großen Wert darauf, die Teilnahme möglichst kostengünstig zu gestalten. Der Teilnahmebeitrag umfasst das gesamte Tagungsprogramm und die Verpflegung während der Veranstaltung. Die Unterbringung erfolgt eigenständig.
Programm
Mittwoch, 17.06.2026
| Ab 12 Uhr | Ankommen & Anmeldung |
| 13:30 Uhr | Eröffnung der Tagung |
| 14:30 Uhr | Vortrag & Diskussion: Der öffentliche Raum für alle? Neoliberale Stadtentwicklung und die Folgen für marginalisierte Gruppen Der öffentliche Raum gilt als zentraler Ort von Teilhabe, Begegnung und politischer Artikulation in demokratischen Gesellschaften. Zugleich wird er unter neoliberalen Bedingungen zunehmend ökonomisiert, reguliert und sicherheitspolitisch aufgeladen. Dadurch werden gerade jene marginalisierten Gruppen, für die Straßen, Plätze und Parks als Aufenthalts-, Überlebens- und Begegnungsräume besonders bedeutsam sind, verstärkt kontrolliert, verdrängt und kriminalisiert. Der Vortrag beleuchtet diese Entwicklungen und diskutiert ihre Implikationen für die Praxis der Sozialen Arbeit. Luise Klaus ist Humangeographin und forscht aktuell zum Alltag von Leuten aus Drogenszenen. Zuvor war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in verschiedenen Forschungsprojekten u.a. zu urbaner Sicherheit und Polizeigewalt. |
| 15:45 Uhr | Pause |
| 16:15 Uhr | Vortrag & Diskussion: Soziale Arbeit zwischen Autonomieanspruch und Eingebundenheit in gesellschaftliche Strukturen? Herausforderungen in Zeiten autoritärer gesellschaftlicher Verschiebungen Soziale Arbeit als Profession bewegt sich in einem ständigen Spannungsverhältnis zwischen eigenen professionellen Vorstellungen, den Bedürfnissen, Wünschen und Sichtweisen der Adressat:innen und den von außen an die Sozialarbeitenden herangetragenen Ansprüchen. Zu Beginn des Vortrages soll an Beispielen aus dem Bereich der mobilen Jugendarbeit dieses Spannungsverhältnis illustriert und verortet werden. In den gegenwärtigen Zeiten agiert Soziale Arbeit zudem in einem gesellschaftlichen Diskursklima, dass die professionsbezogenen Wert- und Normvorstellungen herausfordert. Dies wirkt sich auch auf die Frage aus, wie politisch die Profession agieren soll und kann und welche Widersprüche zwischen eigenem Anspruch, gesetzlich normierten Grundlagen der Arbeit sowie professionsinhärenten ausgrenzenden Haltungen entstehen. Der zweite Teil des Vortrags soll diese Ebene in den Blick nehmen. Abschließend sollen den Vortrag die Vorstellung von Leitlinien, die konkretes Handeln in diesem widersprüchigen Umfeld eine Richtung geben können. Prof. Dr. Stefan Borrmann, Professur für internationale Sozialarbeitsforschung an der Fakultät Soziale Arbeit der Hochschule Landshut. Vizepräsident der Hochschule Landshut, Mitglied des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA); Arbeitsschwerpunkte: Theorien Sozialer Arbeit, Internationale Soziale Arbeit, Jugendarbeit, Rechtsextremismus. |
| 17:30 Uhr | Inhaltlicher Abschluss des Tages |
| 18:30 Uhr | Abendessen |
| anschließend | Gemeinsame Abendgestaltung auf dem Gelände des Nachbarschaftshauses Gostenhof |
Donnerstag, 18.06.2026
| 10:00 Uhr | Workshopphase I Workshop-Angebot, siehe unten (Workshops 1-3 wiederholen sich am Nachmittag; Workshop 4 wird am Nachmittag fortgesetzt) |
| 13:00 Uhr | Mittagessen & Mittagspause |
| 14:30 Uhr | Workshopphase II (Workshop 1-3 werden wiederholt, Fortsetzung Workshop 4) |
| 17:30 Uhr | Inhaltlicher Abschluss des Tages |
| 18:30 Uhr | Abendessen |
| anschließend | Offene Vorstandssitzung der BAG Streetwork/ Mobile Jugendarbeit e. V. & gemeinsame Abendgestaltung auf dem Gelände des Nachbarschaftshauses Gostenhof |
Freitag, 19.06.2026
| 10:00 Uhr | Open Space: Vertiefung und AustauschIm moderierten Open Space können Teilnehmende eigene Themen, Fragestellungen oder Praxisbeispiele einbringen. Zudem besteht die Möglichkeit, Inhalte aus Workshops und Vorträgen in kleiner Runde weiterzuführen und gemeinsam zu diskutieren. |
| 12:15 Uhr | Gemeinsamer Tagungsabschluss, Auswertung, Feedback |
| 13:00 Uhr | Mittagessen |
| anschließend | Abreise |
Workshops
Workshop 1:
Distanzierungsarbeit mit politisch rechtsorientierten Menschen
Der Referent Malte Pannemann vom Verein Distanz e. V. aus Weimar arbeitet mit extrem rechtseinstiegsgefährdeten und orientierten Jugendlichen. Im Rahmen des Workshops gehen wir der Frage nach, wieso sich Menschen extrem rechts äußern, mit welchen Frage- und Gesprächstechniken wir darauf reagieren können und wie eine eigene Interventionsplanung aussehen kann.
Malte Pannemann, Koordinator und Pädagogischer Mitarbeiter bei Distanz – Distanzierungsarbeit, jugendkulturelle Bildung und Beratung e.V.
Workshop 2:
„Wir sind die Guten!?“ Rolle von Streetwork in öffentlichen Räumen
Der Workshop setzt sich mit der Rolle von Streetwork in öffentlichen Räumen auseinander. Hierbei kommt es meist zu Konflikten zwischen dem Anspruch an unser Arbeitsfeld und unserem Rollenverständnis mit der uns von Außen zugeschriebenen Rolle. Es soll reflektiert werden, was denn von uns erwartet wird und wie wir damit umgehen (können), wenn es hierbei zu einer Diskrepanz kommt.
Als Diskussionsgrundlage und besonders deutliches Beispiel einer Rollenzuschreibung von außen soll die „Neuausrichtung der Straßensozialarbeit für obdachlose Menschen“ der Hamburger Sozialbehörde vorgestellt werden.
Juri Schaffranek (langjährige Fachsteuerung von Gangway e.V., Berlin) & Christopher Bethmann (Streetlife e.V., LAG StraSo Hamburg)
Workshop 3:
Wie umgehen mit Verwaltung und Kommunalpolitik in Zeiten der Diskursverschiebung
Der Umgang mit Kommunalparlamenten und Verwaltungen verändert sich stetig durch die zunehmende Einflussnahme reaktionärer Kräfte und durch den vorauseilenden Gehorsam unserer Ansprechpartner*innen in den institutionellen Strukturen. Wie können wir als Sozialarbeiter*innen damit umgehen und welche präventiven Maßnahmen lassen sich ergreifen, um gestärkter in die Diskurse zu gehen? Wir wollen anhand eurer Erfahrungen und Beispiele individuelle Handlungsmöglichkeiten diskutieren.
Tobias Burdukat (YOPE gGmbH – ehem. Dorf der Jugend, Alte Spitzenfabrik Grimma), Dozent und Sozialarbeiter mit Schwerpunkt emanzipatorische Jugendarbeit
Workshop 4:
Einsteiger*innen Workshop mit Fokus auf BAG Fachstandards (ganztägig)
Streetwork & Mobile Jugendarbeit richten sich schwerpunktmäßig an Jugendliche und Erwachsene, die als Einzelpersonen, Gruppen oder Szenen im öffentlichen Raum anzutreffen sind. Sie sind oftmals von Stigmatisierung und Ausgrenzung bedroht. Wir befähigen unsere Adressat*innen dazu, ihre persönliche Lebenssituation zu bewältigen und zu verbessern. Dazu gehören u.a. Information, Beratung und Begleitung. Der Workshop ist ein Angebot für neue Kolleg*innen in den Arbeitsfeldern. Wir informieren über die Grundlagen und führen euch in die Arbeitsformen und Rahmenbedingungen der Arbeitsfelder ein. Anhand von Praxisbeispielen reflektieren wir die eigene Rolle und die unterschiedlichen Erwartungen von Trägern, Adressat*innen und der Öffentlichkeit.
Lisa Schuchardt (Landesarbeitsgemeinschaft Streetwork/Mobile Jugendarbeit NRW e.V.), Sabrina Sofka-Hell (Bundesarbeitsgemeinschaft Streetwork/ Mobile Jugendarbeit e.V.)
Organisatorisches
Tagungsort:
Nachbarschaftshaus Gostenhof, Adam-Klein-Straße 6, 90429 Nürnberg
Anreise vor Ort:
U-Bahn: Linie U1, Haltestelle Gostenhof
S-Bahn: Linie S1, Haltestelle Rothenburger Straße
Bus: Linie 34, Haltestelle Gostenhof – West
Mitbringen:
Vor Ort besteht die Möglichkeit, Informationsmaterialien, Flyer oder andere Unterlagen aus den eigenen Projekten auszulegen und so die Vielfalt der Streetwork und Mobilen Jugendarbeit sichtbar zu machen.
Teilnahmebeitrag: 150,- Euro pro Person
Im Teilnahmebeitrag enthalten:
- Tagungsunterlagen und Teilnahme an allen Programmpunkten
- Verpflegung:
- Mittwoch: Mittagssnack & Abendessen
- Donnerstag: Mittagessen & Abendessen
- Freitag: Mittagessen
- Kaffee, Tee, Wasser und Snacks während der gesamten Tagung
Nicht enthalten:
- Unterkunft
- Frühstück
Am Abend besteht die Möglichkeit im hauseigenen Bistro Getränke zu moderaten Preisen zu erwerben.
Der Anmeldeschluss ist der 8. Mai 2026.
Die BAG Streetwork/ Mobile Jugendarbeit e.V. behält sich vor, die Veranstaltung bei Nichterreichen der Mindestzahl an Teilnehmenden bis maximal 4 Wochen vor Tagungsbeginn abzusagen. Wir informieren in diesem Fall unverzüglich. Teilnahmegebühren werden bei einer endgültigen Absage vollständig erstattet.
Stornierung:
Abmeldungen werden nur schriftlich (per Post oder Mail) anerkannt.
- Bis 6 Wochen vor Veranstaltungsbeginn: keine Bearbeitungsgebühr.
- Ab 6 Wochen vor Veranstaltungsbeginn: 50 % Stornogebühren.
- Ab 2 Wochen vor Veranstaltungsbeginn: 100 % Stornogebühren.
Maßgeblich ist der Zeitpunkt des Eingangs der Abmeldung.
Wir freuen uns auf inspirierende Tage, gute Gespräche und den bundesweiten fachlichen Austausch in Nürnberg!

